Kühlung als Schutz für das Gehirn

 

Die sogenannte therapeutische Hypothermie ist in der Intensivmedizin seit Jahren etabliert. Dabei wird die Körpertemperatur kontrolliert abgesenkt, um den Stoffwechsel des Gehirns zu reduzieren und die Folgen von Sauerstoffmangel zu begrenzen.
Genau hier setzt PRINCESS-2 an: Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob eine besonders früh begonnene Kühlung des Körpers bereits während der prähospitalen Versorgung das neurologische Outcome nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand verbessern kann.
Eingeschlossen werden Patient*innen, die unter anderem einen initial schockbaren Rhythmus haben.

Internationale Studie mit Wiener Beteiligung

 

PRINCESS-2 ist eine groß angelegte, multizentrische randomisierte Studie. Mehr als 20 Zentren in Europa beteiligen sich an dem Forschungsprojekt, insgesamt sollen rund 1000 Patient*innen eingeschlossen werden. Randomisiert bedeutet dabei, dass die Teilnehmenden per Zufall (verschlossenem Kuvert) in zwei Gruppen (Kühlung vs. Nicht-Kühlung) eingeteilt werden, damit die Gruppen von Anfang an vergleichbar sind. So lässt sich feststellen, ob ein Unterschied wirklich an der Behandlung liegt und nicht an anderen Faktoren.

Auch Wien ist Teil dieses internationalen Netzwerks. Die Durchführung erfolgt in enger Kooperation zwischen der Berufsrettung Wien und der Medizinischen Universität Wien. Damit trägt die Berufsrettung Wien aktiv zur Forschung bei, die wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Behandlung von Reanimationspatient*innen liefern könnte.

Einschluss durch den Field Supervisor

 

Eine Besonderheit der Studie: Der Einschluss erfolgt bereits im prähospitalen Setting.
In Wien übernehmen diese Aufgabe die Field Supervisoren der Berufsrettung Wien. Gemeinsam mit den Notärzt*innen prüfen sie vor Ort, ob die Einschlusskriterien erfüllt sind und führen anschließend die Randomisierung durch. Damit sind sie ein zentraler Bestandteil der Studienabläufe. Dies ist ein Konzept, das in der Vergangenheit bereits erfolgreich eingesetzt wurde: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38026141/ 

Kühlung über die Nasenhöhle

 

In der Interventionsgruppe kommt ein spezielles Verfahren zum Einsatz: die transnasale evaporative Kühlung. Dabei wird über Katheter in den Nasenhöhlen ein für den Organismus völlig harmloses Kühlmittel eingebracht, das verdunstet und dadurch Wärme entzieht.
Durch die Nähe zum Gehirn kann so eine rasche Abkühlung des zentralen Nervensystems erreicht werden. Das System ist tragbar und kann direkt am Berufungsort und während des Transportes verwendet werden.

Patient*innen in der Kontrollgruppe erhalten die derzeit übliche Standardtherapie ohne prähospitale Kühlung.

Blick auf das neurologische Outcome

 

Der wichtigste Endpunkt der Studie ist das Überleben mit gutem neurologischem Ergebnis nach 90 Tagen. Dafür wird ein international etablierter neurologischer Score verwendet.
Die zentrale Frage lautet also: Führt eine besonders frühe Kühlung bereits am Einsatzort zu mehr Überlebenden mit gutem neurologischem Zustand?

Forschung, die im Rettungswagen beginnt

 

Mit der Teilnahme am PRINCESS-2-Trial ist die Berufsrettung Wien Teil einer der größten aktuellen Studien zur prähospitalen Neuroprotektion nach Herz-Kreislauf-Stillstand.
Damit zeigt sich einmal mehr: Moderne Rettungsmedizin endet nicht beim Transport ins Krankenhaus, und die Rettungswissenschaft ist ein integraler Bestandteil. In vielen Fällen beginnt hier bereits der nächste Schritt – die Weiterentwicklung der Notfallmedizin durch Forschung.

https://www.princess2.org/

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